Das Evangelische Gymnasium Kleinmachnow goes Europe!

Austauschaktivitäten sind schon seit Jahren fester Bestandteil unseres Fremdsprachenunterrichts. Doch in diesem Jahr gehen wir einen Schritt weiter und beginnen unser erstes Erasmus+ Projekt: Connect & Reflect – Europa erleben, Demokratie gestalten. Wir lernen unsere Partnerschulen aus neuen Perspektiven kennen, knüpfen neue Kontakte und lassen unsere Schulgemeinschaft Europa ganz unmittelbar erfahren. Dafür fährt der 9. Jahrgang als Gruppe nach Spanien oder Frankreich und wer dabei neugierig geworden ist, hat die Möglichkeit, in Klasse 10 für etwa sechs Wochen alleine oder zu zweit an unsere Partnerschulen zu gehen.

Jetzt geht es nicht mehr nur darum, mit dem Austausch besser Spanisch oder Französisch zu lernen und eine neue Kultur kennenzulernen. Unser Projekt regt gezielt dazu an, darüber nachzudenken, was Europa bedeutet, wie mit gemeinsamen Werten demokratisches Zusammenleben gelingen kann und wie persönliche Begegnungen helfen, Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. 

Die Erfahrungen in den Gastfamilien, der Gastschule und der Gastkultur sollen dabei nicht mit der Rückkehr enden: Schülerinnen und Schüler reflektieren und dokumentieren ihre Erlebnisse und teilen sie mit der Schulgemeinschaft.

Erasmus+ ist für uns jedoch mehr als Schüleraustausch. Auch unsere Lehrkräfte sollen bald im europäischen Ausland Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen anderer Länder austauschen und neue Impulse für Unterricht und Schulentwicklung mitbringen.

Wie sich ein Erasmus+-Aufenthalt wirklich anfühlt, erzählen unsere Schülerinnen und Schüler in ihren Erfahrungsberichten.

Mein Erasmus+-Austausch in Nantes - Ein Erfahrungsbericht von Serafina aus der ehemaligen 10f -

Ich war sechs Wochen mit Erasmus in Nantes. Da alles etwas spontan war, hatte ich nur etwa sechs Wochen Zeit, mich auf meinen Aufenthalt vorzubereiten. Meine Französischlehrerin hat deshalb schnell nach einer Gastfamilie in Frankreich gesucht. Nach einigem Hin und Her hatte ich dann nach drei Wochen eine Gastfamilie gefunden. Anschließend hatte ich noch Gespräche, in denen mir erklärt wurde, wie der Austausch ungefähr ablaufen würde und welche Aufgaben ich im Rahmen von Erasmus erledigen sollte. Ich habe mich gut vorbereitet gefühlt und bin mit einem guten Gefühl nach Frankreich gereist. Trotzdem hatte ich Angst, dass ich dort Probleme haben würde, zum Beispiel weil ich mich alleine fühlen könnte. Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn meine Gastfamilie und meine Klasse haben mich sehr herzlich aufgenommen, sodass ich mich nie allein gefühlt habe.

Unter der Woche habe ich natürlich die Schule besucht und zusätzlich zweimal pro Woche einen Sprachkurs. Nach der Schule war ich oft in der Stadt oder in meinem Ort unterwegs. An den Wochenenden habe ich fast immer etwas mit meiner Gastfamilie unternommen. Wir waren fast jedes Wochenende am Meer, was jedes Mal sehr schön war.

Die Schule war ganz anders als in Deutschland. In Frankreich war ich auf einem Lycée. Dort wechseln die Schülerinnen und Schüler nach der 9. Klasse hin und bleiben bis zum Schulabschluss. Die Oberstufe beginnt dort also bereits mit der 10. Klasse. Wir hatten oft Unterrichtsausfall. Wenn der Ausfall nicht gerade die erste oder letzte Stunde betraf, mussten alle Schülerinnen und Schüler in einem großen Raum bleiben. Dort konnten wir uns leise selbst beschäftigen. Meine Schultage sahen immer unterschiedlich aus. Manchmal begann der Unterricht bereits um 8:00 Uhr, an anderen Tagen erst um 10:40 Uhr. Auch der Unterricht selbst war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte und als ich es aus Deutschland kenne. Ich fand es sehr spannend, diese Unterschiede zu beobachten, weil mir dadurch noch einmal bewusst geworden ist, wie unterschiedlich unser Alltag in verschiedenen Ländern sein kann.

Mein Französisch hat sich auf jeden Fall verbessert, auch wenn der Fortschritt nicht so groß war, wie ich es mir vielleicht erhofft hatte. Vor allem das Sprechen fällt mir inzwischen deutlich leichter, weil ich die Sprache sechs Wochen lang jeden Tag gehört habe. Außerdem kann ich jetzt einfache Alltagsgespräche führen. Mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass ich immer mehr verstanden habe. Besonders abends beim gemeinsamen Essen mit meiner Gastfamilie konnte ich den Gesprächen am Ende schon ziemlich gut folgen.

Meine größte Herausforderung war die Kommunikation. Ich hatte oft Angst, etwas Falsches zu sagen oder dass mich niemand verstehen würde. Natürlich wusste ich, dass Fehler völlig normal sind, trotzdem hatte ich manchmal eine richtige Blockade. Diese Angst kann man aber mit der Zeit überwinden.

Am meisten überrascht hat mich der Schulalltag, weil er so anders war, als ich ihn erwartet hatte. Außerdem hat mich beeindruckt, wie herzlich ich von meiner Gastfamilie und meiner Klasse aufgenommen wurde.

Meine schönste Erinnerung ist eigentlich nicht nur ein einzelner Moment, sondern die vielen Wochenenden mit meiner Gastfamilie am Meer. Wenn ich mich für einen besonderen Moment entscheiden müsste, dann wäre es der Abend, an dem wir gemeinsam am Strand den Sonnenuntergang angeschaut haben. Es war gerade Ebbe, wir konnten weit ins Meer hinauslaufen und dabei zusehen, wie die Sonne langsam unterging. Das war ein wunderschöner Moment, den ich nie vergessen werde.

Ich finde, dass sich ein solcher Austausch für jeden lohnen kann. Man muss dafür nicht besonders extrovertiert sein, sollte aber offen und anpassungsfähig sein. Für einige Wochen wird man Teil einer anderen Familie und erlebt einen völlig neuen Alltag. Dadurch lernt man nicht nur viel über das Leben in einem anderen Land, sondern auch über sich selbst. Außerdem sammelt man wertvolle Erfahrungen und lernt, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Man begegnet vielen neuen Menschen und nimmt unvergessliche Erinnerungen mit. Auf all diese Erfahrungen möchte ich nicht mehr verzichten.

Zukünftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern würde ich raten, keine Angst vor dem Sprechen zu haben. Auch wenn nicht alles sofort klappt, sollte man sich Zeit geben und nicht aufgeben. Es funktioniert vielleicht nicht beim ersten Versuch, aber vielleicht beim fünften. Deshalb sollte man einfach dranbleiben, offen für Neues sein und die Zeit genießen.

Ansprechpartnerin

Janet Walach
Englisch, Spanisch, Tutorin 12, Erasmuskoordination
janet.walach@hoffbauer-bildung.de