Eine Woche Europa erleben – unsere Gruppenmobilität nach Cubelles
Im Rahmen unseres Erasmus+-Projekts reisten Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse zu unserer Partnerschule nach Cubelles in Katalonien. Eine Woche lang lebten sie in spanischen Gastfamilien, verbrachten ihren Alltag gemeinsam mit ihren Austauschpartnerinnen und -partnern und lernten dabei nicht nur eine andere Sprache und Kultur, sondern auch Europa aus einer ganz neuen Perspektive kennen.
Besonders prägend war für viele das Leben in den Gastfamilien. Plötzlich wurde Spanisch nicht mehr nur im Unterricht gebraucht, sondern beim Frühstück, auf dem Schulweg oder beim gemeinsamen Abendessen. Gleichzeitig konnten die Schülerinnen und Schüler erleben, wie ähnlich und doch unterschiedlich der Alltag von Jugendlichen in Deutschland und Spanien sein kann. Eigene Vorstellungen wurden hinterfragt, Unterschiede diskutiert und neue Gemeinsamkeiten entdeckt. Aus ersten Unsicherheiten entstanden schnell Gespräche und persönliche Kontakte – und in manchen Fällen auch Freundschaften.
Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch im Rathaus von Cubelles. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler der Bürgermeisterin ihre zuvor vorbereiteten Fragen stellen: Wie können sich Jugendliche an politischen Entscheidungen beteiligen? Welche Pläne gibt es für die Zukunft der Stadt? So konnten sie lokale Demokratie einmal ganz unmittelbar erleben und erfahren, dass politische Beteiligung nicht nur ein Thema aus dem Unterricht ist.
Auch beim gemeinsamen Erkunden von Cubelles und Barcelona standen die Begegnung und das Lernen voneinander im Mittelpunkt. Die spanischen Schülerinnen und Schüler hatten kleine Präsentationen zu verschiedenen Orten vorbereitet und wurden so selbst zu Stadtführerinnen und Stadtführern. Gemeinsam entdeckten die Gruppen unter anderem das historische Waschhaus in Cubelles sowie den Arc de Triomf und das Viertel Born in Barcelona. Bei einer interaktiven Führung durch die Sagrada Família beschäftigten sie sich außerdem mit Kunst, Geschichte und dem gemeinsamen kulturellen Erbe Europas.
Eine ganz andere Perspektive eröffnete der Besuch einer Ausstellung einer Hilfsorganisation in Barcelona, die sich mit Flucht, Seenotrettung, Menschenrechten und europäischer Verantwortung beschäftigt. Die Ausstellung regte dazu an, über Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung über nationale Grenzen hinaus nachzudenken und unterschiedliche Perspektiven auf Migration und Flucht wahrzunehmen.
Wie wichtig Vertrauen und Zusammenarbeit sind, konnten die Schülerinnen und Schüler schließlich ganz praktisch bei einem Workshop zu den katalanischen Castells erleben. Gemeinsam versuchten sie sich am Aufbau eines traditionellen Menschenturms. Dabei wurde schnell deutlich: Jede Person hat eine Aufgabe, alle müssen miteinander kommunizieren und sich aufeinander verlassen können. Nur wenn alle Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten, kann das gemeinsame Ziel erreicht werden.
Die Woche in Cubelles zeigte uns, wie viel Lernen außerhalb des klassischen Unterrichts möglich ist. Fremdsprachen wurden zu echten Kommunikationsmitteln, kulturelle Unterschiede zu Gesprächsanlässen und Themen wie Demokratie, Solidarität und Europa plötzlich konkret. Vor allem aber entstanden durch das gemeinsame Leben und Lernen Begegnungen, die sich nur schwer aus einem Lehrbuch vermitteln lassen.
Europa wurde in Cubelles nicht nur besprochen – sondern gemeinsam erlebt.